12.07.2016

Breitband-Internet in Deutschland 2016: Quartalsbericht im Bereich Breitband

Im ersten Quartal 2016 bleibt die Telekom mit 41,3% Anteil klarer Marktführer im Bereich der festnetzbasierten Breitbandanschlüsse in Deutschland. Es folgen 1&1, mit 14,2%, Unitymedia mit 10,2% sowie Vodafone Kabel (9,8%) und Vodafone DSL (9,1%). o2 schafft noch einen Marktanteil von 6,8%, die Tele Columbus 1,5% Die restlichen Player auf diesem Markt teilen sich 7,2% des Kuchens. Basis dieser Anteile sind ca. 30,8 Millionen festnetzbasierte Breitbandanschlüsse.

Quelle: Vodafone

Zahl der Anschlüsse steigend

Welche Entwicklungen verbergen sich hinter diesen nackten Zahlen? Zunächst die wichtigste Nachricht. Die absolute Zahl von Anschlüssen ist zu Jahresbeginn weiter gestiegen. Die sechs größten Anbieter haben einen Anschluss-Plus von 292.000 erzielt. Fast die Hälfte dieses Zuwachses, etwa 143.000, geht zu Gunsten der klassischen DSL-Anbieter Telekom, 1&1, Vodafone und o2. Im Vergleich zum Vorjahresquartal hat die Steigerungsrate sich mehr als verdoppelt.

o2 folgt Vodafone

Nach einer Durststrecke von fünf Jahren konnte Vodafone im zweiten Quartal hintereinander einen effektiven Zugewinn bei den DSL-Kundenverträgen verbuchen. o2 folgte im abgelaufenen Quartal dem Konkurrenten und verzeichnete nun auch wieder ein Plus, das mit 3.000 zwar bescheiden ausfällt, dennoch die Trendwende markieren könnte. o2 betreibt in absoluten Zahlen 2,1 Millionen DSL-Anschlüsse. Motor dieses Erfolges ist die Nachfrage nach schnellen VDSL-Anschlüssen, wo ein Zugewinn von 76.000 den Verlust an anderer Stelle kompensieren konnte. o2 betreibt damit 593.000 VDSL-Anschlüsse. o2 setzt bei den VDSL-Anschlüssen auf eine enge Kooperation mit der Telekom, weitere Wachstumsaussichten sind somit von den Ausbaustrategien der Telekom im Bereich VDSL und VDSL Vectoring abhängig. Ungeachtet des leichten Wachstums bei den Anschlüssen muss o2 einen Rückgang der Umsätze im Segment Festnetz um 3,1% auf 253 Millionen Euro hinnehmen.

Vodafone bestätigt Trendwende

Vodafone bestätigt die Trendwende aus dem vierten Quartal 2015. Bei den DSL-Kundenverträgen legte Vodafone um 38.000 zu und stellt in absoluten Zahlen nun mehr als 2,8 Millionen DSL-Anschlüsse bereit. Weiterhin stark ist die Nachfrage im Kabelsegment. Zusätzliche 96.000 Abonnements sorgten für ein erfreulichen Umsatzwachstum gegenüber dem Vorjahr um 9,4% in diesem Segment. Vodafone betreibt damit mehr als 3 Millionen Anschlüsse. Eine wichtige Entwicklung ist die mittlerweile so gut wie abgeschlossene Integrierung der Netze nach der Übernahme des Netzes von Kabel Deutschland in 2013. Vodafone betreibt damit ein etwa 400.000 km umfassendes Glasfasernetz, das eine Kapazität von 14 Millionen Haushalten besitzt. Rechnet man 10 Millionen weitere Haushalte hinzu, die Vodafone mit der Nutzung fremder Infrastruktur beliefern könnte, würde das Unternehmen 59% aller Haushalte abdecken können.

Newcomer auf dem Markt positioniert sich

Die Tochter von United Internet, 1&1, verfügt erst seit etwas mehr als einem Jahr über eine eigene Breitband-Infrastruktur. Ungeachtet dieses Handicaps läuft die Werbung neuer Kunden für Festanschlüsse gut, 1&1 erreichte im ersten Quartal ein Plus von 40.000 und verfügt mittlerweile über eine Basis von 4,36 Millionen Kunden mit Breitbandanschluss. Besser sieht es im Bereich mobiles Internet aus, dort erreichte das Tochterunternehmen von United Internet ein sattes Plus von 200.000 neuen Verträgen.

United Internet engagiert sich nach der Genehmigung des Kartellamts stärker an Tele Columbus und hat seinen Anteil auf mehr als ein Viertel (25,11%) beim drittgrößten Kabelnetzanbieter Deutschlands aufgestockt. Tele Columbus seinerseits hat mehrere kleinere Konkurrenten aufgekauft und sich im vergangenen Jahr als drittgrößter deutscher Kabelnetzanbieter fest etabliert. Tele Columbus versorgt mittlerweile 3,6 Millionen Haushalte, davon wurden zum Stichtag 31. März 2016 2,43 Millionen mit Kabelprodukten versorgt. Auf dem Segment Kabel Internet Abonnements steigerte Tele Columbus seine Kundenbasis um 13.000 auf 475.000. Der Umsatz der Tele Columbus ist zwar im vergangenen Jahr zwar auf 116,1 Millionen Euro mehr als verdoppelt, doch wegen der Übernahmekosten verzeichnete Tele Columbus im ersten Quartal 2016 einen Verlust von 17,7 Millionen Euro.

Marktführer Telekom wächst

Die Deutsche Telekom steigerte ihre beträchtlich Kundenzahl noch weiter um 62.000 auf 12,7 Millionen. Wie das Unternehmen betonte, ist die Steigerung der Glasfaser-Anschlüsse auf über 5 Millionen die erfreulichste Entwicklung im abgelaufenen Quartal, in dem in diesem Bereich 660.000 neue Anschlüsse hinzugewonnen wurden.

Schlüsselt man diese Zahlen auf, ergibt sich ein leicht verändertes Bild. Die Telekom rechnet in ihrer Bilanz neben den FTTH und FTTB-Glasfaseranschlüssen auch Vectoring-Verbindungen sowie VDSL-Anschlüsse hinein. Außerdem sind in den mehr als 5 Millionen auch die Anschlüsse inbegriffen, welche die Deutsche Telekom an kleine Anbieter vermietet. Das mach einen Anteil von 1,7 Millionen Anschlüssen aus.

Kritik an Ausbaustrategie

Zunehmender Kritik sieht sich die Telekom wegen ihrer Strategie beim Netzausbau ausgesetzt. Beim Breitband-Ausbau heißt es, setze die Telekom schwerpunktmäßig auf den VDSL-Beschleuniger Vectoring und vernachlässige die Direktanbindung von Haushalten mit Glasfaser. Ein weiterer Kritikpunkt ist die Strategie, mit eigenen Netzen der bereits vorhandenen Infrastruktur an attraktiven Standorten unnötig Konkurrenz zu machen. In der Schwebe ist noch, ob die EU-Kommission dem Vertrag der Telekom mit der Bundesnetzagentur zustimmt, welcher der Telekom das exklusive Recht am Einsatz des Vectoring-Verfahrens zusichert.Telekom-Chef Timotheus Höttges wehrt sich gegen die Kritik an dem von ihm geführten Unternehmen. Andere Konkurrenten vernachlässigten den eigenen Netzausbau, stattdessen kritisierten sie die Telekom, wegen ihrer Preispolitik und dem Ausbautempo.

gl