30.06.2016

Telekom: mehr VDSL, weniger Glasfaser

Glasfaserleitungen bieten eine sehr hohe maximale Bandbreite für die Datenübertragung. Die Deutsche Telekom hatte daher im Rahmen ihrer Breitband-Strategie versucht, verstärkt Glasfaseranschlüsse direkt in die Häuser der Nutzer zu verlegen.

Diese FTTH-Anschlüsse (Fibre to the Home) seien aber beim Verbraucher auf wenig Resonanz gestoßen, erklärt Ulrich Nitschke, Leiter der Telekom-Abteilung „Mehr Breitband für Deutschland“ im Rahmen einer Fachkonferenz des Verbands der Elektrotechnik (VDE) in Berlin.

Oft habe man keine Genehmigung der Hauseigentümer bekommen, das Glasfaserkabel zu verlegen, so Nitschke. Für die Erschließung sei eine Bohrung im Haus nötig, die Eigentümer stimmten oft selbst dann nicht zu, wenn die Telekom den Anschluss kostenlos verlegen wollte. Inzwischen installiert der Netzbetreiber Glasfaseranschlüsse  praktisch nur noch bei Neubauten oder auf ausdrücklichen Wunsch des Kunden.

Geringe Nachfrage nach Glasfaseranschlüssen

Die große Nachfrage der Kunden nach hohen Bandbreiten bezeichnet Nitschke zudem als „Mysterium“. Eine Studie des Verbands der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten e.V. (VATM) zeige, dass nicht einmal 25 Prozent aller möglichen Glasfaserleitungen von den Kunden gebucht seien, so der Telekom-Manager. Selbst bei den gebuchten Glasfaseranschlüssen gebe es selten höhere Geschwindigkeiten als 50 Megabit pro Sekunde. Die Erfahrungen zeigten insgesamt eine sehr eingeschränkte Zahlungsbereitschaft der Kunden, resümiert Nitschke.

Ausbau der VDSL-Infrastruktur ist wirtschaftlicher

Ein weiteres Problem beim Ausbau des Glasfasernetzes sei der erhebliche Zeitaufwand: es dauere deutlich länger, Glasfaseranschlüsse auszubauen als Kabelverzweiger für VSDL-Anschlüsse zu installieren. Um einen flächendeckenden Glasfaserausbau zu erreichen, wäre die Telekom bis zum Jahr 2038 beschäftigt, gibt Nitschke zu bedenken. Hinzu kämen mindestens 70 Milliarden Euro an Ausbaukosten, so der Telekom-Manager.

Alternativ zum Ausbau des Glasfasernetzes treibt die Telekom derzeit die Erweiterung des VDSL-Netzes voran. Der Netzbetreiber will so flächendeckend Übertragungsgeschwindigkeiten von 50 bis 100 Mbit/s im Download anbieten. Die Telekom hat sich eine Ausbauverpflichtung für die VDSL-Nahbereiche gegeben: man visiere eine  Flächendeckung von 80 Prozent für die VDSL-Infrastruktur an, heißt es beim Netzbetreiber.

Autor: FN