13.05.2015

G.fast: DSL-Technik im Gigabit-Bereich

Mit der G.fast-Technik sind Gigabit-Datenraten möglich. Damit wäre das Gigabit-DSL schneller als jeder Kabelanschluss. Doch wo werden solch hohe Datenraten überhaupt benötigt? Experten und Netzbetreiber sind sich darüber noch uneinig.

Netzbetreiber zeigen sich begeistert von G.fast

Die G.fast-Technik ermöglicht über Kupferdoppeladern auf kurzen Strecken Geschwindigkeiten im Gigabit-Bereich. Auf Strecken bis rund 200 Meter werden in ausgesucht guten Kupferleitungen bis zu 1000 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) – also 1 Gigabit pro Sekunde (Gbit/s) – erreicht. Dabei können die Netzbetreiber die Sende- und Empfangsrichtung weitestgehend frei konfigurieren.

Netzbetreiber liebäugeln bereits mit der neuen Technik, erscheint sie im Vergleich zum Glasfaserausbau doch deutlich günstiger. Zudem können die bereits vorhandenen Kupferdoppeladern noch einige Jahrzehnte länger genutzt werden.

G.fast soll mehr Kunden generieren

Experten stehen der Effektivität der G.fast-Technik etwas skeptischer gegenüber. Einige bezweifeln sogar, ob die schnelle Technik bereits jetzt gebraucht wird. Bisher gebe es laut einigen Experten-Aussagen keine Anwendungen, die Datenraten im Gigabit-Bereich benötigen. Das mag vielleicht für den privaten Nutzer gelten. Für kleine und mittlere Unternehmen sieht das aber anders aus. Die stoßen mit ihren VDSL-Anschlüssen immer wieder an die Grenzen der Netzkapazität.

Schnellere Datenraten bis zu 200 Mbit/s bieten im Moment nur Kabelnetz-Betreiber. Mittelfristig wollen auch Kabelanbieter 1 Gbit/s anbieten. In Ländern wie den Niederlanden, Österreich oder Großbritannien haben Kabelnetzbetreiber aktuell dreimal so viele neue Kunden wie die DSL-Anbieter. Somit dürfte G.fast vor allem für DSL-Anbieter als Rettung erscheinen, um neue Kunden zu gewinnen.

Chip-Hersteller lassen sich Zeit

Rupert Wood von Analysis Mason ist der Überzeugung, dass manche G.fast-Installationen teurer werden könnten als Glasfaseranschlüsse. Denn: Glasfaser müssen auch für G.fast in 200 bis 250 Meter Entfernung zu den Haushalten verlegt werden. So kann es in einigen Fällen günstiger sein, Glasfaser gleich bis zum Kunden zu verlegen. Laut Schätzungen von Experten liegen die Investitionen für G.fast zwischen denen von VDSL und Glasfaser.

Doch auch wenn die Netzbetreiber bereits auf G.fast setzen, so sieht das bei den Chip-Herstellern noch anders aus. Die Chip-Unternehmen haben bisher lediglich Interoperabilitätsprüfungen durchgeführt. Der Start für die Massenfertigung wird laut Experten in das zweite Halbjahr 2015 fallen.

Erste Feldtests in Europa laufen

Erste Feldtests mit G.fast hat unter anderem die British Telecom gestartet. In Huntington, Cambridgeshire und Gosforth, Newcastle, sollen die laufenden Tests die Praxistauglichkeit der neuen Technik prüfen. Rund 4000 Haushalte und Geschäfte sollen diesen Sommer Aufschluss darüber geben, welche Datenraten mit G.fast wirklich erzielt werden. Wenn die Feldtests positiv verlaufen, soll die neue Technik spätestens bis 2017 großflächig ausgebaut werden.

Im Labor ermittelte die British Telecom im September 2014 bereits erste Daten. Über eine 19 Meter lange Strecke wurden mit G.fast bis zu 800 Mbit/s im Download und über 200 Mbit/s im Upload erreicht. Auf 66 Meter Entfernung waren es noch 700 und 200 Mbit/s.

Für G.fast müssten neue Regelungen her

Wann G.fast nach Deutschland kommt, ist noch unklar. Vorher müssten erst einige Fragen geklärt werden. So verursacht die neue Technik aufgrund des hochfrequenten Betriebs starke Nebensprechstörungen. Aus diesem Grund kann G.fast nur im Vectoring-Modus eingesetzt werden, der die Signal-Störungen reduziert.

Diese Koordination kann aktuell nur zentral von einem Netzbetreiber durchgeführt werden, der gleichzeitig die Hoheit über ein komplettes Kabelbündel hätte. Um dennoch einen Wettbewerb unter den Anbietern zu erhalten, müsste die Bundesnetzagentur – wie schon für VDSL-Vectoring – bestimmte Regeln festlegen.

Autor: ES