13.04.2015

Gesetzentwurf zur freien Routerwahl bringt Provider auf die Barrikaden

Das Bundes¬wirtschafts¬minis¬terium (BMWI) hat einen Gesetzentwurf veröffentlicht, der vorsieht, dass Nutzer von Breitbandanschlüssen eigene Router nutzen dürfen. Gleichzeitig sind die Mobilfunker dazu verpflichtet, die Einwahldaten herauszugeben. Die Internet-Anbieter sind über diese Änderung wenig begeistert.

Router-Zwang (Foto: Matt J Newman / Flickr Lizenz: CC BY-SA 2.0)

Unitiymedia befürchtet Service-Verschlechterung und Kostenanstieg

Das BMWI hat einen Referentenentwurf zur Abschaffung des Routerzwangs veröffentlicht. Bisher waren Kunden eines Anbieters dazu gezwungen, einen entsprechenden Router mit zu kaufen. Die Nutzung eines eigenen alternativen Routers war nicht gestattet. Dies soll sich künftig ändern. Es soll jeder Router, der den Anforderungen an Funkanlagen und Telekommunikationseinrichtungen entspricht, einsetzbar sein. Die Breitband-Anbieter können diesen Änderungen wenig Positives abgewinnen. 

Laut Unitymedia leidet der Entwurf „an einer ungenügenden und dadurch falschen Sachverhaltsfeststellung“. Weiter beschwert sich der Anbieter, dass nicht zwischen Router und Modem differenziert würde. „Dies ist eine schlichtweg unzutreffende Annahme, da Kabelmodems die Kommunikation mit dem Telekommunikationsnetzwerk abwickeln, während Router der Kommunikation innerhalb des Heimnetzwerks dienen.“ Die üblichen Kombigeräte werden nicht erwähnt. Unitymedia befürchtet durch die Abschaffung des Routerzwangs eine Verschlechterung des Kundenservices sowie einen Kostenanstieg, da es zu erhöhten Serviceanfragen wegen nicht zugelassener Modems kommen werde.

Provider haben „erhebliche technische Bedenken“

Vodafone und Kabel Deutschland äußern ebenfalls ihre „erheblichen technischen Bedenken“. Das Gesetz müsse die technologischen Besonderheiten der Kabelnetze berücksichtigen und das Kabelmodem als Bestandteil des Netzes anerkennen.

Der im Nordwesten Deutschlands tätige Anbieter EWE Tel findet, dass das Problem des Routerzwangs bei den eigenen Kunden gar nicht besteht. Man nehme „deutlich wahr, dass unsere Kunden nach wie vor ein erhebliches Interesse daran haben, Anschluss und – hochwertige – Endgeräte aus einer Hand zu bekommen“.

Gleichzeitig befürchtet der Anbieter vor allem in Hinblick auf die FTTH-Netze Probleme. Dabei wird das Glasfaser bis in die Wohnung des Kunden verlegt. Der Gesetzentwurf sieht nun aber vor, dass dem Kunden ein passiver Netzabschlusspunkt zur Verfügung gestellt wird. Genau darin sieht EWE Tel Komplikationen. „Bei Glasfaseranschlüssen der EWE Tel wird der Netzabschluss durch den Network Termination Fibre Access (NTFA) gebildet, einem Gerät mit aktiver Technik. Passive Schnittstellen stellt EWE Tel dem Kunden erst 'hinter dem NTFA' bereit. Wäre EWE Tel gezwungen, als Zugang einen passiven Netzabschlusspunkt zur Verfügung zu stellen, müsste sie dem Endkunden das bloße Glasfaserkabel [...] zur Verfügung stellen. Das wäre aber in praktischer Hinsicht sinnlos und sogar gefährlich.“

Wettbewerbsverbände fordern Änderungen

Der Wettbewerbs-Verband VATM steht der Neuregelung positiv gegenüber, weist jedoch darauf hin, dass noch einige Änderungen vorgenommen werden sollten. Der Verband hält es beispielsweise für ausreichend, wenn Zugangsdaten dem Kunden nur auf Nachfrage zur Verfügung gestellt würden. Denn: Die Mehrheit der Kunden würde sowieso auf die vom Provider angebotenen Router zurückgreifen. Diese Geräte bieten nämlich den Vorteil, dass sie sich selbst konfigurieren. Zugangsdaten seien dazu in der Regel noch nicht einmal nötig. Bekäme der Kunde aber von vornherein die Zugangsdaten ausgehändigt, könnte dies zu einem Sicherheitsrisiko führen. 

Zudem schlägt der VATM vor, dass die Neuregelung nur für Neukunden gelte, um Investitionen in alte Systemplattformen zu vermeiden. Diese Positionen unterstützt auch der zweite große deutsche Branchenverband Breko.

Autor: ES