16.12.2014

Studie zeigt Nachholbedarf bei Glasfaserversorgung auf

Die Glasfaserversorgung ist Deutschland ist unterdurchschnittlich. Im Vergleich mit 8 anderen EU-Ländern landet die Bundesrepublik auf dem letzten Platz. Dies ergab die Studie "Monitoring Digitale Wirtschaft 2014", die vom Marktforschungsinstitut TNS Infratest und vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums erstellt wurde.

Quelle: Vodafone

Staat und Telekommunikationsbranche werden in die Pflicht genommen

Bei der Glasfaserversorgung in Deutschland gibt es Nachholbedarf. Mit einer Quote von gerade einmal 1 Prozent belegt Deutschland im Vergleich mit acht anderen EU-Staaten den letzten Platz. Projektleiter Tobias Weber betonte bei der Präsentation der Studien-Ergebnisse, dass Staat und Telekommunikationsfirmen den Ausbau der Hochgeschwindigkeitsnetze zügig vorantreiben müssten.

Zwar ermöglichen die Technologien wie der DSL-Turbo Vectoring "verhältnismäßig schnelle Geschwindigkeiten". Dies reiche aber "mittel- bis langfristig nicht aus". In einem Land, das keine flächendeckende hochleistungsfähige Breitbandanbietung biete, könne sich kein Unternehmen ansiedeln, so ein Fazit der Studie.

Telcos schwächeln

Bei der Leistungsfähigkeit der Branche rund um die Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) schnitt Deutschland besser ab. Im 15-Länder-Vergleich kommt die Bundesrepublik auf den fünften Platz. Spitzenreiter bleiben die USA, gefolgt von Südkorea sowie Großbritannien und Japan, die sich gemeinsam den dritten Platz teilen.  

Die Internetwirtschaft in Deutschland erreichte 2013 einen Wert von knapp 85 Milliarden Euro, während die IKT-Branche insgesamt 226 Milliarden Euro einnahm. Zu den Sorgenkindern der Branche gehören die Telcos. Deren Umsätze sind – im Gegensatz zum globalen Trend – 2013 um ein Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken. Dies falle aufgrund der nötigen Investitionen in schnellere Netze besonders schwer ins Gewicht, so Sabine Graumann von Infratest.

Geringes IT-Sicherheitsniveau in Deutschland

Im Bereich der Nutzung neuer Technologien und Anwendungen sichert sich Deutschland den fünften Platz. Vor allem beim E-Commerce und bei Musik-Downloads sind die Deutschen im Vergleich zu anderen Nationen ganz vorne mit dabei. Laut Studie kaufen 32 Prozent der Internetnutzer mindestens einmal pro Woche im Internet ein. Gleichzeitig lädt jeder Bundesbürger durchschnittlich zwei Musiktitel pro Jahr legal herunter. Dafür sieht es im Bereich der Internet-Sicherheit recht mau aus. 60 Prozent der Internet-Nutzer schützen sich nicht ausreichend, wenn sie ins Netz gehen. Laut Studie sei hier eine enge Zusammenarbeit aller relevanten Gruppen nötig, um das IT-Sicherheitsniveau zu erhöhen.

Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnig von der SPD sieht in der Informationstechnik einen großen Innovationstreiber für die Wirtschaft. 70 Prozent der mittelständischen Unternehmen hätten deren strategische Bedeutung aber noch nicht erkannt, so dass man hier mit Informationszentren gegensteuern wolle. Die Ergebnisse zeigten auch, dass es um die "digitale Souveränität" Europas noch nicht gut stehe. Europa schwächele – vor allem bei Komponenten wie Soft- und Hardware, die für zukunftsfähige IKT wichtig seien.

Autor: ES