04.12.2014

Netzausbau: Ex-Telekom-Chef Obermann mahnt zur Eile

"Wir müssen uns beim Netzausbau echt beeilen" – dies sind die Worte von Ex-Telekom-Chef René Obermann, die er während der Jahrestagung des Bundesverbands Breitbandkommunikation (Breko) an die Zuhörer richtete. Das flache Land verkümmere schon heute immer mehr zur digitalen Diaspora.

Quelle: Breko

2029 ist das Leben eine einzige Vernetzung

René Obermann – derzeit Chef beim niederländischen Kabelnetzbetreiber Ziggo – sprach bei der Jahrestagung des Breko vor den Vertretern der lokalen Breitbandanbieter über den Netzausbau der nahen Zukunft und mahnte zur Eile.

Sein Szenario: Im Jahr 2029 komme man mit dem Elektroauto nachhause und stelle dieses in der vernetzen Garage ab. Auch in den Räumen sei alles vernetzt. So werden die Geräte weitgehend mit Gestenkommandos oder per Sprache gesteuert. Wer reist, werde sich im Zug am Videobildschirm per Fingerabdruck identifizieren. Auch Lebensmittel lassen sich mit einem Klick online kaufen. Alles sei miteinander vernetzt.  

Immer mehr Daten werden in die Netze geschickt

"Datenfeeds zu Ihrem Profil gibt es heute schon mehr als genug", meint Obermann und kehrte damit zurück in die Gegenwart. Bewegungsprofile werden durch die Kreditkarten- und Smartphone-Nutzung erstellt. Das Internet weiß alles – das gilt vor allem für Google und Facebook. "So weit weg sind wir nicht von dem beschrieben Szenario", erklärt Obermann. Zumindest in den Ballungszentren, wo schnelles Internet überall zur Verfügung steht, sei das bereits Alltag.  

"Doch all diese Szenarien und die Vernetzung von Milliarden von Geräten mündet in eine Gigabit-Gesellschaft", so Obermann weiter. Die Datenraten werden kontinuierlich ansteigen – in ganz Europa. "Wir müssen uns beeilen mit dem Netzausbau und auch mit der Vergabe neuer Frequenzen für den Mobilfunkausbau, weil immer mehr Daten in die Netze geschickt werden."

Netze sollen größtenteils privatwirtschaftlich finanziert werden

"Glasfaser in Europa kostet flächendeckend 200 bis 300 Milliarden Euro. Das flache Land wird dabei aktuell immer mehr zur digitalen Diaspora, wenn wir nicht etwas am System verändern. Denn in sehr dünn besiedelten Gebieten kann sich niemand einen Ausbau von Glasfasernetzen leisten", mahnt Obermann und fügt an: „Wenn wir es nicht hinbekommen, auch den teuren Ausbau in den dünn besiedelten Regionen Europas hinzubekommen, müssen wir uns über die Folgen nicht wundern."

Es gebe Möglichkeiten, das alles zu finanzieren – einen Großteil davon auch privatwirtschaftlich. Doch dafür muss die europäische Politik mutiger werden. "Wir müssen uns echt beeilen", so Obermann.

ES