26.11.2014

Stiftung Warentest: Lange Wartezeiten auf DSL-Anschluss

Die Stiftung Warentest hatte einen Plan: Sie wollte Internetanschlüsse mit Geschwindigkeiten von mehr als 16 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) testen. Herausgekommen ist jedoch ein Artikel, der sich mit den langen Wartezeiten auf die DSL-Freischaltung beschäftigt. Unglaublich: Bis zum Redaktionsschluss war ein Internetanschluss von Vodafone noch immer nicht freigeschaltet.

Quelle: Stiftung Warentest

Über zehn Wochen Wartezeit

Der Artikel "Langes Warten auf DSL" (Heft 11/2014) sollte eigentlich ein Testbericht über Internet-Anschlüsse mit mehr als 16 Mbit/s werden. Doch es kam anders, als geplant. 30 Testhaushalte haben im Auftrag der Stiftung Warentest bei zehn DSL-, Kabel- und LTE-Anbietern einen Internetanschluss gebucht – drei Bestellungen pro Anschluss und Anbieter. So waren die Telekom Deutschland und Vodafone zweimal vertreten, je mit einem DSL- und einem LTE-Anschluss.

Doch zum Surfen kamen die Testkunden oftmals erst gar nicht. Durchschnittlich betrugen die Wartezeiten auf einen DSL-Anschluss fünf Wochen. Einige mussten mehr als zehn Woche warten, ein DSL-Anschluss (Vodafone) wurde erst gar nicht geschaltet. Die Testkunden reagierten mit "Wut und Hilflosigkeit".

Überlastete Techniker, schlechter Kundenservice

Der Grund für das Übel ist laut Stiftung Warentest der Techniker. Von 38 vereinbarten Terminen, fiel die Hälfte aus oder blieb erfolglos. Nicht selten wurde ein Kunde drei bis viermal vertröstet, bis der Techniker endlich erschien. Ebenfalls schwierig war der Service der Kunden-Hotline.  

Das Problem trat ausschließlich bei DSL-Anschlüssen auf. Der Grund: Auch wer bei Vodafone, o2 oder Tele2 einen DSL-Tarif bucht, muss sich von einem Telekom-Techniker den Anschluss freischalten lassen. Das letzte Stück Kabel (die sogenannte „letzte Meile“) gehört nämlich in der Regel der Telekom. Die Techniker scheinen oft überlastet. Laut Stiftung Warentest stehen jedem Techniker pro Haushalt zehn Minuten für die Schaltung eines DSL-Anschlusses zur Verfügung.

LTE und Kabel als DSL-Alternative

Wer sich solchen langen Wartezeiten nicht aussetzen möchte, kann auf Kabel Internet oder LTE zurückgreifen. Die Kabelanbieter vermarkten ebenfalls Breitbandanschlüsse und sich unabhängig von der Telekom. So mussten Testkunden bei Kabel Deutschland und Unitymedia KabelBW zumeist nicht mal zwei Wochen auf ihren Anschluss warten.  

Noch schneller wurden LTE-Anschlüsse freigeschaltet. Die Wartezeiten betrugen hier oft nur wenige Tage. Der Nachteil: Die hohen Datenraten sind nicht überall verfügbar. Aus diesem Grund sollte man sich vorher beim jeweiligen Anbieter informieren, ob der 4G-Funk bei sich zuhause zur Verfügung steht. Zudem ist im Vergleich zu DSL und Kabel das Datenvolumen beschränkt. Nach Erreichend es Volumens wird die Surf-Geschwindigkeit gedrosselt.  

Wer auf einen DSL-Anschluss nicht verzichten kann und dennoch lange warten muss, kann Schadenersatz fordern. Ein Kläger hat 2013 von Bundesgerichtshof 450 Euro zugesprochen bekommen, weil er wochenlang auf seinen DSL-Anschluss gewartet hat. Laut Gericht sei ein Internetanschluss ein "Wirtschaftsgut mit zentraler Bedeutung" (Az. III ZR 98/12).

Autor: ES