17.10.2014

„Kursbuch Netzausbau“: Fahrplan für NGA-Ausbau

Anfang Oktober haben Unternehmen der Telekommunikationsbranche sowie das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) das „Kursbuch Netzausbau“ vorgestellt.

Das Kursbuch umfasst Maßnahmen für den Netzausbau, um deutschlandweit bis 2018 flächendeckend Downloadraten bis zu 50 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) anzubieten.

50 Mbit/s für alle bis 2018

Mit dem „Kursbuch Netzausbau“ haben Telekommunikationsbranche und Politik festgehalten, wie der Netzausbau in Deutschland gestaltet werden soll. Ziel ist es, bis 2018 Netze mit Download-Geschwindigkeiten von mindestens 50 Mbit/s flächendeckend anzubieten. Derzeit liegt die Versorgungsrate bei 64 Prozent. Das 23-seitige Schriftstück umfasst Koordination, Transparanz, Synergienutzung, Rahmenbedingungen, Frequenzpolitik sowie Finanzierung und Förderung des Netzausbaus.

Erarbeitet wurde das „Kursbuch Netzausbau“ in Zusammenarbeit der großen Netzbetreiber wie Telekom Deutschland, Vodafone, o2, Kabel Deutschland, Unitymedia und EWE Tel sowie der Verbände Breko, VATM, Anga, Bitkom und Buglas. Auch Bundesverkehrsminister Dobrindt saß mit am Tisch.

Optimierung des Infrastrukturatlasses

Mit dem NGA-Ausbau – NGA bedeutet Next Generation Access und beschreibt das Nachfolgenetz des existierenden Telekommunikationsnetzes – soll unter anderem der Datenumfang des Infrastrukturatlasses optimiert werden. Der Infrastrukturatlas der Bundesnetzagentur ist eine wichtige Informationsquelle und enthält Informationen von derzeit rund 650 Infrastrukturinhabern.

Vermerkt werden Netzinfrastrukturen und Infrastrukturelemente wie Glasfaserleitungen, Leerrohre, Hauptverteiler, Kabelverzweiger, Sendemasten oder Antennenstandorte. Zudem soll ein Gewerbebreitbandatlas eingeführt werden, auf dem vermerkt ist, welche Gewerbestandorte welche Netzinfrastruktur anbieten.

Einsatz neuer Verlegetechniken und Frequenzbereiche

Ein zentrales Ziel, das im „Kursbuch Netzausbau“ vermerkt wurde, ist die Ermöglichung des Zugangs zu Infrastrukturen, die für den Aufbau eines Netzes geeignet sind. So sollen auch neue Verlegetechniken wie Micro-Tranching zum Einsatz kommen, um die Kosten für den NGA-Ausbau zu reduzieren.

Auch die Versteigerung neuer Frequenzen spielt eine wichtige Rolle. Anfang 2015 bringt die Bundesnetzagentur unter anderem Frequenzen um 700 Megahertz unter den Hammer. Der Frequenzbereich soll ab 2017 nach und nach für die Breitbandversorgung eingesetzt werden. Der Fahrplan für die Frequenzvergabe ist ebenfalls Bestandteil des Kursbuches.

"Die jetzt vorliegende Fassung ist nach intensiven Beratungen ein guter Startpunkt. Der Minister hat erkannt, wie wichtig der Investitionswettbewerb, das Miteinander von großen und kleinen Unternehmen sowie Mobil- und Festnetz für die Erreichung der Breitbandziele hierzulande sind", sagt Martin Witt, Präsident des größten deutschen Telekommunikations-Wettbewerberverbandes VATM.

Grundstein für flächendeckenden High-Speed-Ausbau

"Das Kursbuch ist ein guter Aufsatzpunkt zur Weiterentwicklung und Umsetzung einer umfassenden Ausbaustrategie", sagt Breko-Präsident Ralf Kleint. "Mit dem Bekenntnis zur Glasfaser als nachhaltige Leittechnologie und der 'Multi-Access-Strategie' als Königsweg werden im Kursbuch die wesentlichen Grundlagen zu einem flächendeckenden Ausbau von High-Speed-Netzen gelegt."

"An manchen Punkten sehen wir noch Präzisierungsbedarf. Daher ist es wichtig, dass das Kursbuch zügig fortgeschrieben werden soll", so VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner. Der Bundesverband Glasfaser gibt zu bedenken, sich beim Ausbau nicht nur auf VDSL zu beschränken. "Das Kursbuch stellt [...] vor allem auf den Ausbau der Kabelverzweiger mit Glasfaser ab", erläutert Buglas-Präsident Jens Prautzsch. Dies sei zwar vor allem in ländlichen Regionen eine vernünftige Option. "Im Sinne einer nachhaltigen und zukunftssicheren Versorgung unseres Landes mit Gigabit-Internet dürfen wir aber den Königsweg Fiber to the Building/Home keinesfalls aus den Augen verlieren." Mittelfristig würden nur diese Breitband-Anschlüsse ausreichende Kapazitäten bieten.

Autor: ES