22.07.2014

DSL-Höchstgeschwindigkeiten werden kaum erreicht

Werden die beworbenen DSL-Geschwindigkeiten in der Praxis tatsächlich bereitgestellt? Dieser Frage ist die Redaktion des Fachmagazins Computerbild nachgegangen. In einem Test wurden die DSL-Anbieter und ihre Übertragungsgeschwindigkeiten verglichen.

Das Ergebnis ist ernüchternd: häufig wird das angekündigte Maximaltempo nicht erreicht. Insbesondere die klassischen Internetanbieter schnitten im Test schlecht ab.

Kabelanbieter haben schnellere Anschlüsse als klassische DSL-Anbieter

Der Vergleich zeigt, mit welchem Durchschnittstempo die Kunden der verschiedenen Anbieter tatsächlich surfen. Interessant ist, dass die drei großen Kabelanbieter Unitymedia, Kabel BW und Kabel Deutschland die etablierten DSL-Anbieter im Test überrundeten. Laut Computerbild konnten die Kunden der drei Top-Kabelanbieter Daten im Schnitt mit knapp 35.000 Kilobit pro Sekunde (Kbit/s) herunterladen. Bei den Kunden der drei größten DSL-Anbieter lief der Download dagegen nur mit knapp 12.000 Kbit/s. Auch die Tageszeit spielt für die Surf-Geschwindigkeit eine große Rolle: Es gibt bestimmte Hauptverkehrszeiten wie etwa um die Mittagszeit und abends rund um 20 Uhr. In diesem Zeitraum sinkt die Datenrate deutlich ab, wie die Tester ermitteln konnten.

Surftempo in der Praxis ein Drittel langsamer

Laut Computerbild-Test konnte kein Anbieter die versprochene Höchstgeschwindigkeit einhalten. Vor allem bei schnelleren Anschlüssen lagen die realen Übertragungsgeschwindigkeiten in der Regel ein gutes Drittel oder mehr unter den beworbenen Werten. Die größte Abweichung gab es bei o2-DSL-Tarifen mit beworbenen 50.000 Kbit/s: Im Schnitt war das Download-Tempo hier 65 Prozent langsamer, schreiben die Computerbild-Tester. Allerdings muss der Kunde bedenken, dass die Anbieter bei der Bestellung immer auf ein möglicherweise niedrigeres Tempo hinweisen. Nachträgliche Beschwerden sind also wenig erfolgversprechend.

Gründe für die reduzierte DSL-Realgeschwindigkeit

Verschiedene Faktoren sind verantwortlich für die reduzierte Realgeschwindigkeit der DSL-Anschlüsse. Zum einen arbeiten viele DSL-Anbieter noch mit einer älteren Technik, das leistungsstarke VDSL wird erst im Laufe des Jahres eingeführt. Zum anderen geben  die Kabelanbieter häufig zu den Turbo-Anschlüssen gratis Router aus, die zumindest beim WLAN-Tempo überhaupt nicht für diese Datenrate ausgelegt sind. Viele Kunden behalten außerdem aus Angst vor Problemen ihre veralteten Tarife und Zugangsgeräte. 

Oft stören sich auch die WLAN-Netze gegenseitig. In Gegenden mit dichter Wohnbebauung arbeiten oft so viele WLAN-Netze nebeneinander, dass sie sich auf der gängigen Frequenz 2,4 Gigahertz stören. Nur neuere WLAN-Router funken mit guter Leistung auch auf der weniger störempfindlichen Frequenz um 5 GHz. Und schließlich trägt auch die Politik zu der Misere bei: Langfristig sorgen nur neue Glasfaserleitungen für mehr Surf-Speed. Das Verlegen ist jedoch teuer und aufwändig.

Autor: FN