15.07.2014

Internet aus der Steckdose: Ein Traum zerplatzt

Das schnelle Internet aus der Steckdose, die Daten kommen einfach mit der Stromleitung ins Haus – das schien in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts eine tolle Sache: Man braucht keine zusätzlichen Leitungen, sondern nutzt das vorhandene Stromnetz. Vor allen Dingen die Stromkonzerne witterten ein tolles Zusatzgeschäft.

Daraus wurde nichts: Die Technik birgt zu viele Tücken, außerdem muss man zu viel Geld in Geräte zur Aufrüstung des Stromnetzes investieren. 

So stellte  schon 2002 die Bundesnetzagentur fest, dass Hersteller und Betreiber solcher Anlagen bis auf wenige Ausnahmen ihre Aktivitäten einstellten. Heute gibt es nur wenige örtlich eng begrenzte Angebote für Datenübertragung per Stromnetz, die außerdem in keiner Weise mit dem Tempo von DSL-Anschlüssen, den Anschlüssen per Kabel oder dem Mobilfunk-Angebot konkurrieren können. 

Die Probleme der Übertragung per Stromkabel

Vor allen Dingen drei Probleme machten den Entwicklern dieser Technik zu schaffen.  Stromleitungen mit Datenübertragungen stören erstens den Funkverkehr, da sie die eigenen Signale in die Umgebung abstrahlen – sie wirken kurz gesagt wie eine Sendeantenne. Und so stören sie Signale  vor allem im Kurzwellenbereich – also Rundfunk und Rettungsfunk, Navigationsdienste, dazu der Funk von Polizei und Sicherheitsbehörden. Das sorgte für einigen Aufruhr bei den Betroffenen, selbst die Militärs der Nato beschäftigten sich in einem eigenen Papier mit den Auswirkungen dieser Technik auf den militärischen Funkverkehr.

Per Stromkabel sind zweitens nur vergleichsweise geringe Übertragungsgeschwindigkeiten von maximal etwa 2 bis 14 Mbit/s möglich, die sich die Nutzer dann auch noch teilen müssen. 

Die Belastungen des Stromnetzes beispielsweise durch Ein- und Ausschalten von Geräten können sich auf die Übertragungsgeschwindigkeit auswirken. Kurz: Es gibt nur geringes Tempo und dieses schwankt auch noch.

Und schließlich hätten drittens die Betreiber von Stromnetzen ihr gesamtes Netz für sehr viel Geld umbauen und ausrüsten müssen. Das rechnete sich angesichts der Schwierigkeiten und des Tempos, das man anbieten kann, schließlich nicht. So  gibt es in ganz Deutschland gerade mal vier lokale Anbieter, die noch Internet per Stromleitung anbieten. Und auch diese Angebote werden irgendwann verschwinden, wenn der Glasfaserausbau weit genug fortgeschritten ist.

Daten über die Stromleitung: Fürs heimische Netzwerk geeignet

Das zugrunde liegende technische Prinzip wird allerdings heute noch beim Aufbau von heimischen Netzwerken genutzt. Wer in einem Altbau sitzt, bei dem die Telefondose an einem denkbar ungeeigneten Ort sitzt – irgendwo in einer Ecke – der hat womöglich ein Problem: Nicht alle PC-Anschlüsse sind per WLAN erreichbar.

Hier kann man an den Router per Kabel einen Powerline-Adapter anschließen, der kommt in die Steckdose und leitet die Daten übers hausinterne Stromnetz weiter: Die sind dann über einen zweiten Powerline-Adapter an jeder Steckdose verfügbar, diesen zweiten Adapter verbindet man einfach per Kabel mit PC oder Laptop.      

Autor: MN