15.11.2013

Deutsches Internet

Die Telekom möchte ein Deutsches Internet schaffen. Als Reaktion auf die US-Spendenaffäre der NSA soll ein Netz errichtet werden, das einen Datenaustausch nur landes- oder europaweit ermöglicht. Dieses soll nationalen Sicherheitszwecken dienen. Inwieweit die Überlegungen bereits umgesetzt wurden, ist derzeit noch unklar.

In einem Bericht des Nachrichten-Magazins Der Spiegel wurden die Informationen über ein innerdeutsches Internet bekannt. „Es laufen Gespräche mit diversen möglichen Partnern“, sagte ein Telekom-Sprecher am Sonntag und bestätigte damit die Informationen des Magazins. Bei den Gesprächen gehe es beispielsweise um die Unterstützung der Netzbetreiber, welche für ein solches Projekt notwendig wäre.    

Datenverkehr innerhalb regionaler Grenzen

Angestoßen wurde die Debatte hauptsächlich durch die Enthüllungen der Späh-Maßnahmen der NSA. Der US-amerikanische Geheimdienst nahm unter anderem in Deutschland weitreichende Internet-Überwachungen vor. Die Idee der Telekom ist nun, eine Einschränkung im deutschen oder europäischen Datenverkehr vorzunehmen.

Als Lösung für Europa wurde das „Schengen-Routing“ ins Gespräch gebracht. Hier soll der Datenverkehr innerhalb europäischer Länder des freien Grenzverkehrs nicht die regionalen Grenzen verlassen. Hierbei würde auch Großbritannien außen vor bleiben. Der dortige Geheimdienst GHCQ steht wegen der Kooperation mit der NSA ebenfalls in der Kritik.

Technische Maßnahmen sind zu bewältigen

Es ist bislang unklar, wie weit die Überlegungen der Telekom bereits in die Tat umgesetzt worden sind. Dabei stellen rechtliche Fragen sowie geschäftliche Grundlagen einige zu überwindende Hindernisse dar. Laut Spiegel hofft die Telekom auf die Unterstützung der neuen Bundesregierung.

Die technischen Vorbereitungen hingegen seien weniger aufwendig als bisher angenommen. Das Projekt „E-Mail made in Germany“ stellt ein derartiges nationales Internet-Konzept dar. Die Telekom, United Internet (Web.de und GMX) und Freenet wollen hierbei den E-Mail-Verkehr untereinander verschlüsseln, sodass ein hoher Sicherheitsstandard gewährleistet ist. 

Die Betroffenheit der Bürger hält sich in Grenzen

Ein weiterer Aspekt zur technischen Umsetzung ist der neue Sicherheitsfilter „Clean Pipe“. Das von der Telekom und anderen deutschen Herstellern entwickelte Produkt soll Unternehmen vor Cyber-Angriffen schützen. Clean Pipe dient insbesondere der Abwehr von Wirtschaftsspionage und allgemeiner Internetkriminalität. Der Filter wird derzeit von Pilotkunden getestet und soll offiziell zur CeBIT 2014 auf den Markt kommen.

Entgegen der Planungen zu verstärkter Sicherheit sehen die meisten Deutschen keine Bedrohung durch die Abhörmaßnahmen des amerikanischen Geheimdienstes. Eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach ergab, dass 76 Prozent der deutschen Bürger der Ansicht sind, keine persönlichen Nachteile durch die Spähaktionen zu haben. „Die Betroffenheit hält sich in Grenzen, auch wenn die Vorgänge von der Mehrheit kritisch gesehen werden.“, so Renate Köcher, die Geschäftsführerin des Instituts.

Autor: LS