23.08.2013

Breitband-Internet in Deutschland

Die Bundesregierung spricht von flächendeckender Grundversorgung wenn es um die Breitband-Netzstruktur in Deutschland geht. Die mit dem Begriff „Grundversorgung“ bezeichneten Übertragungsraten des Internets sind jedoch häufig äußerst gering. Vor allem im Hinblick auf das steigende Datenaufkommen und den wachsenden Bedarf an schnellem Internet lässt die Situation in Deutschland einige Wünsche offen.

Trotzdem sind durchaus Lichtblicke auszumachen, wenn es um die Verbesserung der Infrastruktur von Netzanbietern geht. Neben Glasfaserleitungen sind auch Investitionen von Energieanbietern ein vielversprechendes Konzept, um breitbandiges Internet auszubauen.

Grundversorgung ist nicht ausreichend

„Mit 99,7 Prozent der Haushalte war die Grundversorgung Ende 2012 fast flächendeckend“, so das Wirtschaftsministerium im neuesten Monitoringbericht zur Breitbandstrategie der Bundesregierung. Das klingt fortschrittlich, ist aber nicht besonders aussagekräftig. Als Grundversorgung werden nämlich Anschlüsse bezeichnet, die eine Übertragungsgeschwindigkeit von mindestens einem Megabit pro Sekunde (Mbit/s) leisten können. Eine derartige Internetgeschwindigkeit reicht für viele gängige Anwendungen nicht aus und schränkt den Nutzer in einigen Bereichen ein.

Vor allem im Wachstum begriffene Dienste wie Cloud-Computing, Video-Streaming oder Big-Data-Anwendungen seien mit einer derartigen „Grundversorgung“ von einem Mbit/s nicht zu leisten, so Katrin Sobania, Referatsleiterin beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) zur Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ).

Vor allem Unternehmen leiden unter dieser mangelnden Geschwindigkeit des Internets. „Zehn Megabit brauchen wir mindestens, weniger ist absout geschäftsschädigend“, so Helmut Geltner, Geschäftsführer des Küchen- und Gerätherstellers De’Longhi. Das Unternehmen hatte seinen Standort im hessischen Seligenstadt verlassen, weil dort keine ausreichende Netzverbindung hergestellt werden konnte. De’Longhi kann nun in Neu-Isenburg auf 100-Mbit/s-schnelles Glasfaser-Internet zugreifen – Seligenstadt verlor durch die schlechte Netzstruktur seinen wichtigsten Gewerbesteuerzahler.

Kooperation mit Energieversorgern lässt Unternehmen hoffen

Neue Konzepte lassen allerdings vor allem Gewerbetreibende auf die Zukunft hoffen. So bemüht sich derzeit der Essener Energieversorger RWE um ein neues Netz mit schnellem Internet. RWE verlegt hierbei neben Strom- oder Gasleitungen auch Leerrohre, durch welche Glasfaserkabel gezogen werden können. Die Rohre werden dann von Netzanbietern gepachtet und für die Installation der Technik genutzt.

Der Großteil des Kostenaufwandes für Glasfaserleitungen entfällt auf den Tiefbau. Bis zu 50.000 Euro kostet die Installation von einem Kilometer Glasfaser. Davon kostet die Einrichtung von unterirdischen Leitungen 40.000 Euro, also vier Fünftel. So liegt es nahe, bei Erdarbeiten für Versorgungsleitungen auch Glasfaserkabel einzusetzen. Diese Kooperation von Netzbetreibern und Energieversorgern findet sich in Deutschland immer häufiger wieder. Nach Angaben eines Sprechers in Nordrhein-Westfalen sind bereits rund 120.000 Haushalte an ein von RWE gebautes Netz angeschlossen.

Engagement der Kommunen Breitband auf dem Land

Gerade in ländlichen Regionen ist mittlerweile zunehmend auch von Kommunen ein Engagement für ein schnelles Internet zu beobachten. Hier müssen allerdings deutlich größere Strecken zurückgelegt werden, um alte Kupferleitungen durch Glasfaser zu ersetzen. So übernehmen bereits teilweise die Stadtbetriebe die Legung von sogenannten VDSL-Leitungen. Dies zahlt sich aus, der ländliche Ausbau von breitbandigem Internet geht zügig voran. Das Oldenburger Unternehmen Ewetel beispielsweise hat eine halbe Million Haushalte in Nordwestdeutschland angeschlossen. 

In Ballungszentren bemüht sie die Deutsche Telekom um einen raschen Ausbau von VDSL-Anschlüssen. Dort bietet die Telekom für rund zwölf Millionen Haushalte VDSL an, innerhalb von drei Jahren soll sich diese Zahl noch verdoppeln. Doch auch Konkurrenten wie Vodafone planen eine Breitbandoffensive. Es liegen Informationen vor, dass das britische Unternehmen Kabel Deutschland übernehmen will. Für Vodafone bedeutete dies 8,5 Millionen neue Kunden, für die Telekom wäre dies eine ernstzunehmende Konkurrenz

Hohe Investitionen hemmen raschen Ausbau

Es zeigt sich, dass der Breitband-Markt im Wandel begriffen ist. Der Ausbau des Glasfasernetzes ist im Interesse aller, weswegen auch zahlreiche Investitionen geplant sind. Fachleute schätzen die Kosten für den Glasfaser-Ausbau auf 80 Milliarden Euro. Ob öffentliche Förderprogramme oder sogar Steuereinnahmen für die Bewältigung dieser Kosten sorgen müssen, wird sich zeigen. Der Bundeshaushalt ist jedoch sehr begrenzt – Viele Internetnutzer werden sich wohl noch eine Weile mit langsamen Übertragungsraten begnügen müssen.

Autor: LS