12.06.2013

Drosselcom: Fakten zu den Tarif-Plänen der Telekom

Die Pläne der Telekom Deutschland auch für das stationäre Internet das Datenvolumen zu begrenzen hat ihr den Spottnamen „Drosselcom“ eingebracht. Seit Anfang Mai schließt die Telekom nur noch Verträge ab, die eine entsprechende Klausel über die Geschwindigkeits-Drosselung im Kleingedruckten enthält.

Das hat ihr nach scharfer Kritik von Privatkunden auch Probleme mit der Verbraucherzentrale, der Bundesnetzagentur und jetzt auch mit dem Bundeskartellamt eingebracht. Man sehe die Netzneutralität gefährdet.

Bei Tarif-Verträgen für das mobile Internet ist es die Regel, die Surfgeschwindigkeit ab einem gewissen Datenvolumen zu drosseln. Dabei gilt: je höher der Tarif-Preis desto größer auch das Inklusivvolumen und die Geschwindigkeit. Bei stationärem Internet waren Flatrates bis jetzt nach wie vor echte Flatrates, das heißt ohne jegliche Einschränkungen. Doch „angesichts des rasanten Datenwachstums“ und der Kosten für den Netzausbau sehe sich die  Telekom veranlasst ihre Tarifstruktur für das stationäre Internet umzustellen, heißt es in der offiziellen Mittelung. Ähnlich wie auch bei den Mobile-Tarifen gibt es nun verschiedene Preisklassen mit unterschiedlich umfassenden Leistungen.

Nach 75 Gigabyte ist Schluss

Der billigste Tarif bietet ein Datenvolumen von 75 Gigabyte bei bis zu 16 Mbit/s. Sobald dieses Volumen erreicht wurde drosselt die Telekom die Geschwindigkeit radikal auf nur noch 384 Kbit/s. Nach Angaben der Telekom reiche dieses Datenvolumen aber völlig für einen normalen Kunden. Das Unternehmen gehe im Schnitt von 15 bis 20 Gigabyte pro Haushalt aus. Allerdings könnte dieser Verbrauch schon in den nächsten Jahren deutlich zu wenig sein. Denn vor allem der datenintensive Videokonsum aus dem Netz nimmt stetig weiter zu.

Diese Tatsache macht sich die Telekom wohl auch etwas zu Nutzen. Denn das eigene Video-Angebot Entertain saugt nicht am tariflichen Inklusivvolumen, es läuft getrennt davon. Andere Video-Dienste - und damit Entertain-Konkurrenten - wie Apples iTunes oder Amazons Streaming-Dienst Lovefilm verbrauchen das Datenvolumen. Aber: gegen Bezahlung bietet die Telekom diesen Diensten Partnerschafts-Verträge an, die sie von dem begrenzten Datenvolumen wieder entbindet.

Freikauf ist möglich

Das heißt, ein Freikauf aus der Drosselung ist möglich. Doch das sei ein massiver Verstoß gegen die Netzneutralität und führe zu einer Marktverzerrung. Deshalb hat jetzt auch das Bundeskartellamt eingegriffen und werde die Drosselungs-Pläne der Telekom genau prüfen. Es dürfen keine künstlichen Markteintrittsschranken für kleine Anbieter entstehen, die sich keine priorisierte Behandlung kaufen können, sagte der Kartellpräsident Andreas Mundt der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Und auch die Verbraucherzentrale und die Bundesnetzagentur fordern klare Stellungnahmen der Telekom zu ihren Plänen. Die Verbraucherschützer drohen sogar mit einer gerichtlichen Zwangseinigung falls die Telekom nicht einlenkt.

Für Kunden anderer Anbieter gibt es allerdings Entwarnung. Vodafone stellte klar: „Wir haben keine Pläne, die DSL-Geschwindigkeit unserer Kunden zu drosseln.” Und auch der Kabel-TV-Anbieter Unitymedia stellt sich entscheiden gegen die Daten-Drosselung. Bei dem Anbieter 1&1 gehört ein begrenztes Datenvolumen allerdings schon länger zum Standard. Hier wird die Geschwindigkeit aber erst nach 100 Gigabyte reduziert.

Autor: MBR