28.02.2013

So viel zahlen Vodafone & Co. für eine Telekom-Kupferleitung

Nicht jeder Anbieter für Telefon- oder Internetanschlüsse verfügt über eine Teilnehmeranschlussleitung (TAL), einer direkten Verbindung zum Kunden. Die Kupferleitungen gehören zum größten Teil der Deutschen Telekom, die Ende Januar eine Erhöhung des TAL-Entgeltes beantragt hat.

Diese Erhöhung würde den Wettbewerb durch Alternativ-Anbieter noch stärker einschränken.

Miete einer TAL bei der Telekom

Die sogenannte „letzte Meile“ zum Kunden ist essentiell um einen Telefon- oder Internetanschluss einzurichten. Eine TAL muss von einem Anbieter wie Vodafone oder O2 bei der Deutschen Telekom gemietet werden. Nur so können die Fremdanbieter ihre Leitung zu den Endverbrauchern bringen. Für die Einrichtung einer solchen Leitung fallen demnach Kosten an, die durch eigene Einnahmen getilgt werden müssen. Wie sich herausstellt, ist dies mit Angeboten für Anschlüsse von 20 bis 30 Euro monatlich kaum zu bewerkstelligen.

Einrichten der Technik in Vermittlungsstellen

Um als Alternativanbieter einen Anschluss zur Verfügung stellen zu können, muss also zuerst die Verknüpfung von der örtlichen Verbindungsstelle zu dem Kunden hergestellt werden. Hierzu ist allerdings die Installation der eigenen Technik in der Vermittlungsstelle notwendig. Der Inhaber der Vermittlungsstellen, die Deutsche Telekom, verlangt für das Aufstellen der Technik Geld. Die Kosten dieser sogenannten Kollokation bestehen aus einmaligen Zahlungen für den Aufbau und aus regelmäßigen Zahlungen als Miete. Allein die einmaligen Ausgaben der Drittanbieter für die Vermittlungsstelle belaufen sich auf einen vierstelligen Betrag.

Einmalige Kosten für die Leitung selbst

Ist die Technik in der Vermittlungsstelle eingerichtet, muss die Verbindung zu Kunden hergestellt werden. Dazu muss der Alternativanbieter eine Kupferdoppelader bei der Telekom bestellen. Der Preis dafür ist jedoch abhängig von diversen Faktoren. Hier spielt es eine Rolle, ob ein bestehender Anschluss ersetzt, eine neue Leitung gelegt oder ob Arbeiten beim Kunden durchgeführt werden müssen. So entstehen einmalige Kosten zwischen 28,18 Euro und 62,32 Euro netto, also ohne Mehrwertsteuer.

Monatliche Zahlungen an die Telekom

Ist die Kupferleitung eingerichtet, kann der Drittanbieter den Anschluss nutzen – Doch nur gegen eine monatliche Zahlung an die Telekom. Diese beläuft sich aktuell auf 10,08 Euro pro Monat und gemieteter Leitung. Insgesamt sind derzeit rund 10 Millionen Leitungen durch die Telekom vermietet, wodurch diese etwa 1,2 Milliarden Euro Mieteinnahmen pro Jahr bezieht.

Erhöhung des TAL-Entgeltes wegen Netzausbau

Dieser monatliche Mietbetrag soll nun auf 12,37 Euro erhöht werden, fordert die Telekom. So entstehen für die Alternativanbieter Mehrzahlungen von rund 275 Millionen Euro pro Jahr. Hinzu kommen noch Kosten, die durch Kündigungen der Kunden anfallen. Die Telekom begründet diese Forderung mit dem geplanten Netzausbau. Das Unternehmen nehme die EU-Kommissarin Neelie Kroes beim Wort und erwarte Anreize für die milliardenschweren Investitionsvorhaben, so der Telekom-Deutschland-Chef Niek van Damme. Kroes möchte den Netzausbau nachhaltig vorantreiben und fordert höhere Investitionen der Telekommunikationsunternehmen.  

Kaum Ertrag der Drittanbieter

Wenn man die Ausgaben der Drittanbieter für eine einzige TAL berechnet, entstehen immense Summen. So müssen die Anbieter selbst im schlechtesten Fall für die Bestellung, monatliche Miete und die Abbestellung der TAL pro Monat 15,69  Euro (brutto) an die Telekom zahlen. Die Kollokation, also die Installation in der Vermittlungsstelle ist hierbei noch nicht eingerechnet, ebensowenig Personalkosten, Datentraffic oder Kosten für das Anbieternetz.

Vodafone beispielsweise bietet derzeit einen Anschluss für 19,90 Euro im Monat an. Wird das TAL-Entgelt tatsächlich erhöht, würde Vodafone für dieses Angebot weniger als 1,50 Euro verdienen. Dabei sind die zusätzlichen Kosten wie beispielsweise für die Kollokation oder das Personal noch nicht einbezogen. Verständlich ist es demnach allemal, dass die Alternativanbieter eine Absenkung des TAL-Entgeltes fordern.

Autor: LS