04.06.2012

LTE-Ausbau in Deutschland: Positive Bilanz für das Jahr 2012

Seit die Bundesnetzagentur im April 2010 die begehrten LTE-Frequenzen an die Netzbetreiber Telekom Deutschland, Vodafone und Telefónica Germany (o2) versteigert hat, hat sich viel getan. Ein Großteil der ehemals unterversorgten Gebiete ist bereits an das schnelle LTE-Netz angeschlossen. Mittlerweile funkt die neue Technik sogar in den ersten Großstädten.

An Auflagen geknüpft

Die Frequenzvergabe im Frühjahr 2010 war an Auflagen gebunden. So haben sich die drei großen Netzbetreiber gegenüber der Bundesnetzagentur dazu verpflichtet, zuerst die unterversorgten Gegenden ohne Breitband-Internet – die sogenannten weißen Flecken – mit LTE zu versorgen. Das gilt vor allem für die reichweitenstarken Frequenzen aus dem 800-Megahertz-Band, die im Zuge der Digitalisierung des Fernsehens frei geworden sind.

Im Vergleich zu den 2,6-Gigahertz-Frequenzen – die ebenfalls bei der LTE-Auktion versteigert wurden – deckt das Frequenzband um 800 Megahertz nicht nur große Flächen mit wenigen Sendemasten ab, sondern durchdringt auch besser Gebäudewände.

LTE als kostengünstiger Land-Funk

Der Ausbau der schnellen Funktechnik wurde von der Regulierungsbehörde in vier Prioritätsstufen unterteilt, die nach und nach von den Netzbetreibern abgearbeitet werden müssen. Die höchste Prioritätsstufe 1 gilt für Gegenden mit bis zu 5.000 Einwohnern, Stufe 2 für 5.000 bis 20.000 Einwohner, Stufe 3 für 20.000 bis 50.000 Einwohner und die Prioritätsstufe 4 für Gebiete mit über 50.000 Einwohnern.

Erst wenn pro Stufe mindestens 90 Prozent der Einwohner mit Breitband-Internet versorgt sind, darf die nächsthöhere Stufe beschritten werden. Diese Vorgehensweise ist für die Netzbetreiber zwar weniger lukrativ, als wenn sie den schnellen Funkstandard gleich in die Ballungszentren holen würde. Doch können unterversorgte Gegenden via LTE deutlich günstiger und mit geringerem Aufwand mit schnellem Internet versorgt werden als beispielsweise per DSL oder Kabel.

Ausbau schreitet zügig voran

Nach Einschätzungen der Telekom, Vodafone und o2 schreitet der LTE-Ausbau weit schneller voran, als gedacht. Laut Angaben des Branchenverbandes Bitkom werden in Deutschland inzwischen mehr als zehn Millionen Haushalte mit LTE versorgt.

Zudem haben die Netzbetreiber laut Jochen Homann, neuer Präsident der Bundesnetzagentur, in 9 der 13 unterversorgten Bundesländer die Versorgungsauflagen bereits erfüllt. So wird in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland, Sachsen und Schleswig-Holstein die Grundversorgung in ländlichen Gebieten gewährleistet. In diesen Bundesländern dürfen die Netzbetreiber LTE nun auch in Städten anbieten. Die noch fehlenden Länder werden „in Kürze folgen“, so Homann.

Bewohner einiger Metropol-Regionen dürfen sich bereits über den schnellen Funkstandard freuen. Die Telekom versorgt bereits die Städte Köln, Frankfurt am Main,  Hamburg, Leipzig, München und Bonn. Vodafone hat unter anderem Düsseldorf und Berlin mit der neuen Funktechnik ausgestattet. Telefónica Germany plant für das zweite Quartal 2012 die ersten Städte wie Berlin, Hamburg und München an das LTE-Netz anzuschließen.

10 Prozent bleiben unterversorgt

Grundversorgung heißt nicht, dass jeder Winkel der oben genannten Bundesländer nun mit schnellem Internet versorgt wird. So hat die Bundesnetzagentur von vorn herein 10 Prozent der Fläche aus der Versorgungsverpflichtung herausgenommen. Es wäre auch unsinnig, jede noch so entlegene Gegend – sei es nun mitten im Gebirge oder im Wattenmeer – mit LTE zu versorgen.

Bis spätestens Mitte 2013 könnten zumindest die bewohnten Regionen in Deutschland mit Turbo-Internet erschlossen werden. Laut Bitkom soll bereits im Sommer 2012 mithilfe von LTE eine Breitband-Vollversorgung bestehen. Auch Vodafones Technikchef Hartmut Kremmling gibt sich optimistisch: Über kurz oder lang rüste Vodafone ohnehin das ganze Netz auf LTE um, und dann gebe es Turbo-Internet via Mobilfunk wirklich überall, wo heute schon ein Handy Empfang hat.

Autor: ES