14.01.2009

Online-Musikläden verzichten auf Kopierschutz

Der Online-Musikladen iTunes von Apple hatte am Rande der diesjährigen Macworld angekündigt, seine Musik ohne Kopierschutz zu verkaufen. Nun hat sich auch musicload, der Online-Shop der Deutschen Telekom zu diesem Schritt entschlossen: Ab 1. April 2009 sollen 95 Prozent der Musiktitel keine Beschränkungen mehr haben.

iTunes und musicload sind die größten Anbieter von legalen Musik-Dateien in Deutschland. Alle großen Plattenlabels unterstützten diese Initiative, betonte ein musicload-Sprecher. Nach eigenen Angaben hat die Telekom-Tochter derzeit etwa 6,5 Millionen Songs im Angebot, davon rund drei Millionen ohne Digital Rights Managment (DRM).

95 Prozent der Titel ohne DRM

In Zukunft sollen fast alle Titel im MP3-Format – und somit ohne Kopierschutz - zur Verfügung stehen. Das werde auch für Musikvideos und Hörbücher gelten, außerdem sei ein flexibleres Preismodell im Gespräch, so der musicload-Sprecher weiter. Plattenfirmen können im Telekom-Musikladen bereits jetzt unterschiedlich hohe Preise verlangen. Die Kosten pro Download variieren von 79 Cent bis zu 1,99 Euro.

Der Computerhersteller Apple stellt ab sofort acht der rund zehn Millionen Titel DRM-frei zur Verfügung. Ab April sollen dann alle Songs im iTunes-Store ohne Kopierschutz angeboten werden, inklusive des Repertoires von EMI, Sony BMG, Warner und Universal. Nutzer bekommen so die Möglichkeit, sämtliche Songs beliebig oft auf andere Geräte zu kopieren. Bisher konnten die Titel hauptsächlich auf den Apple-Geräten iPod und iPhone abgespielt werden. Auch soll es bald möglich sein, im iTunes-Shop neben WLAN auch über UMTS einzukaufen, um Musik direkt auf das Handy downloaden zu können. Im Gegenzug will Apple den Plattenlabels erlauben, unterschiedliche Preise für die Musikstücke zu verlangen. Statt des Einheitspreises von 99 Cent pro Download soll es bald eine Preisspanne, ähnlich wie bei musicload geben. Nutzer, die bereits erworbene Musikdateien vom Kopierschutz befreien wollen, zahlen 30 Cent für eine so genannte „Aktualisierung“.

Verbreitung über Tauschbörsen bleibt weiterhin verboten

Der Bundesverband Musikindustrie, der die Interessen der deutschen Plattenfirmen vertritt, begrüßte den Schritt von iTunes und musicload. „Durch die Differenzierung können die Plattenfirmen auf die Begehrlichkeiten des Marktes reagieren. Neue Titel lassen sich nun zu höheren Preisen als bisher anbieten“, erklärte Stefan Michalk, Geschäftsführer des Musikverbandes. Das sei wichtig, weil wesentliche Teile des Umsatzes mit dem aktuellen Repertoire gemacht würden, so Michalk. Die Anbieter bekämen so die Chance, höhere Einnahmen zu erzielen. Aber auch die Nutzer profitierten von der Neuregelung: Etwa indem sie ältere Lieder zu geringeren Preisen kaufen könnten, betonte der Verbands-Chef.

In einigen Monaten wird sich zeigen, ob der Verzicht auf DRM dem Markt wirklich den ersehnten Schub gibt. Auch wenn der Kopierschutz fällt - die Verbreitung ungeschützter Musikdateien über Tauschbörsen bleibt verboten. „Die Konsumenten dürfen aber jetzt nicht denken, dass man machen kann, was man will“, betonte Michalk. Im Jahr 2008 hatte die Musikbranche Schätzungen zufolge rund 78 Millionen Euro mit Downloads aus dem Internet verdient, das entspricht einem Plus von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Autor: FN